Anatolij Solodjakov
Anatolij Solodjakov ist korjakischer und evenischer Abstammung. Er lebt in Palana an der Westküste Kamtschatkas. Während seiner Schulzeit verbrachte er die Ferien bei seinen Eltern in der Tundra und half ihnen dort bei der Rentierhaltung. Daran erinnert er sich: „Ich sehe alles ganz deutlich vor mir, die Rentiere, die Tundra, die Berge und die weiten Schneeflächen. All das prägte sich tief in mir ein […] und wie man an der Küste und an den Flüssen fischt; nur was ich wirklich kenne, das drücke ich in meinen Arbeiten aus.“
Anatolij Solodjakov studierte am Herzen-Institut in St. Petersburg Holzschnitzkunst und Malerei. Danach arbeitete er zunächst als Kunstlehrer in Chanti-Mansijsk. Schließlich kehrte er wieder nach Kamtschatka zurück, wo er seitdem in Palana lebt. Neben Szenen aus dem alltäglichen Leben befasst sich Anatolij Solodjakov in seinen geschnitzten Figuren und Zeichnungen auch mit Motiven aus der Mythologie und Erzähltradition vor allem der Korjaken. Eine zentrale Figur ist hier das teils menschen-, teils rabengestaltige Wesen Kutkynnjaku, der die Welt so gemacht hat, wie sie heute ist.
Oft lässt sich Anatolij Solodjakov von Museumsobjekten inspirieren. In alten Büchern wie zum Beispiel bei Waldemar Jochelson entdeckt er Abbildungen alter Ritualgegenstände, die heute nicht mehr in Gebrauch sind. So findet er über diese Objekte und deren künstlerische Neugestaltung Zugang zu Traditionen seines Volkes, die heutzutage in Vergessenheit zu geraten drohen.